Yoga Sutra 1

1 -1 Jetzt beginnt die Einführung in Yoga.

Es könnte auch so heißen: nun, da Du diese Schrift in die Hand genommen, bist du bereit für Yoga.

1 – 2 Yoga ist das zur Ruhe kommen der Gedanken/ mentalen Muster.

Wann wenn nicht jetzt bräuchte die Menschheit dies dringender? Wir befinden uns in einer solchen Informationsüberflut und verführerischen Ablenkungen die uns leicht in die Zerstreutheit führen. Es ist wirklich schwer da zentriert zu bleiben…

1 – 3 Dann ruht der Beobachter ins sich selbst und kommt zu seiner wahren Natur.

Beobachte ich Tiere oder auch Pflanzen, scheint es mir so, dass sie überwiegend in diesen Zustand verweilen. Unser Geist hat uns viele tolle Dinge erschaffen lassen… dabei haben wir uns(er) selbst aus dem Fokus verloren.

1 – 4 Ansonsten identifiziert sich der Beobachter mit den mentalen Mustern/ Trübungen/ Bewegungen des Bewusstseins.

Also: Ich bin meine Gedanken. Ich würde mal sagen spätestens seit Decartes (Ich denke also bin ich) der Normalzustand in der westlichen Welt.

1 – 5 Es gibt fünf Arten von Trübungen/ mentaler Muster/ Bewegungen des Bewusstseins, die leidvoll oder freudvoll sind.

Wirklich, wirklich interessant: Pantanjali unterscheidet nicht zwischen leidvoll oder freudvoll. Laut ihm stehen jegliche mentalen Muster unserer wahren Natur im Weg. Wozu also immer unser Drang hin zu freudvollen Erfahrungen? Was hat unser Bauplan hier vorgesehen? Leidvolle Wahrnehmung kann zum Tod führen und verhindert unser weitere Existenz?

1 – 6 Diese fünf sind: wahres Wissen, falsche Wahrnehmungen, Vorstellung, Schlaf und Erinnerung.

Auch hier wieder interessant: vollkommen egal ob wahr oder unwahr – alles steht unserem wahren Seinszustand im Weg.

1 – 7 Wahres Wissen kann über drei Wege erlangt werden: durch direkte Wahrnehmung, über logische Ableitung/ aus dem Intellekt entstehend und mittels Überlieferung/ von Anderen übertragen.

1. Ich fasse die heiße Herdplatte an und spüre die Hitze. 2. Ich sehe den Wahlschalter auf 3 und weiß demnächst, dass die Platte heiß ist. 3. Ich lese die Bedienungsanleitung und weiß, dass ich mich verbrennen kann. Nur funktionieren 2 und 3 nicht ohne 1. Also ohne die direkte Erfahrung weißt ich gar nicht was verbrennen bedeutet. 3 könnte meines Erachtens auch sowas wie das morphische Feld/ universelles Wissen/ Intuition sein.

1 – 8 Fantasie/ Illusionen beruht auf falsches Wissen welches durch ungenaue Wahrnehmungen/ falsche Vorstellung hervorgerufen wird.

Die Ursache des falschen Wissens verstehe ich so, dass die falsche Wahrnehmung durch eigene Konzepte getrübt bzw. verfälscht wird. Da fällt mir sogleich Oshos Zitat ein: Intelligenz ist der Mut ohne vorgefasste Meinung durchs Leben zu gehen.

1- 9 Mentale Konstruktion/ Vorstellungen beruhen nicht auf real existierenden Objekten.

Selbst ausgedacht… oder in der Zeitung gelesen… eigenen Schlussfolgerungen aus erhaltenen Informationen. Begegnet mir aktuell in der Pandemie sehr häufig…

1 – 10 Im Schlaf sind äußere Eindrücke abwesend und der Geist arbeitet mir veränderter (getrübter) Wahrnehmung.

Hier klaffen die Übersetzungen allein beim Schlaf von Dösen bis Tiefschlaf auseinander. Nach Davis Interpretation hat Meditation und spirituelle Praxis Einfluss auf unsere Träume. Sie sollen demnach klarer und bewusster werden. Ich kann das noch nicht so recht bestätigen. Nach meiner Erfahrung arbeitete die Traumwelt mit teilweise sehr alten Eindrücken. Demnach kann es wohl sehr lange dauern, bis die spirituelle Praxis auch „ankommt“.

1 – 11 Erinnerungen sind in der Vergangenheit entstandene, noch nicht verblasste Eindrücke.

Die Betonung kann hier auf noch nicht verblasst gelegt werden. Oftmals werden die nicht verblassten Eindrücke durch unsere Gedankenkreise noch verstärkt. Und schon beginnt die Grübelei…

1 -12 Diese mentalen Muster können durch Beharrlichkeit und Gelassenheit zur Ruhe gebracht werden.

Also dranbleiben… nur nicht zu verbissen oder ehrgeizig.